

Ein Wolf in freier Wildbahn durchstreift ein Revier von bis zu 300 Quadratkilometern.
Im Zoo stehen ihm nur ein Bruchteil davon zur Verfügung.
Ein Tier, das in der Natur kaum je einem Menschen begegnet,
wird im Gehege täglich tausendfach angestarrt.
Fotografiert. Kommentiert. Gefüttert.
Rückzugsmöglichkeiten sind rar.
Reduziert auf Verhalten, das in die Umgebung passt.
Das Gehege ist gepflegt. Der Infotext ist korrekt.
Und doch bleibt die Frage:
Was sehen wir da eigentlich – das Tier? Oder unser Bild von ihm?
Zoos gelten als Orte der Bildung, des Staunens, des Artenschutzes.
Sie präsentieren Wildtiere mitten in der Stadt.
Sie holen die Ferne nah heran.
Für viele Menschen sind sie der erste – und oft einzige – Kontakt zur sogenannten Wildnis.
Doch wie wild ist ein Tier, das keine Wahl hat?
Wie viel Wahrheit steckt in einer Nachbildung?
Der Zoo ist nicht einfach nur ein Ort – er ist ein kulturelles Konstrukt.
Er formt, wie wir Tiere wahrnehmen.
Er erzählt: Das ist ein Tiger. Das ist ein Elefant. Das ist ein Wolf.
Doch die Geschichte ist kuratiert, gefiltert, eingerahmt.
Die Tiere sind angepasst – an unsere Vorstellung von „artgerecht“, an Flächenvorgaben, an Besucherroutinen.
Das Tier wird sichtbar – aber verliert seine Unverfügbarkeit.
In Zeiten von Artensterben, Biodiversitätskrise und Massentierhaltung
ist die Frage nicht mehr nur: Wie zeigen wir Tiere?
Sondern auch: Warum? Und mit welchem Recht?
Denn während der Wolf im Zoo bestaunt wird,
werden andere Tiere in engen Hallen gehalten, unsichtbar –
und gelten als „Nutztier“, nicht als schützenswert.
Vielleicht braucht es neue Wege, Tieren zu begegnen.
Wege, die nicht auf Besitz beruhen.
Wege, die das Tier nicht inszenieren müssen, um es wertzuschätzen.
Wege, die digitale Mittel nicht zur Ablenkung nutzen, sondern zur Annäherung.
Project Digital Zoo ist ein künstlerischer Versuch, diese Fragen sichtbar zu machen.
Nicht als Ersatz für echte Begegnung.
Nicht als Urteil.
Sondern als Einladung zum Nachdenken –
über das Verhältnis von Mensch und Tier, Natur und Gestaltung,
Nähe und Freiheit.
DER BLICK DURCHS GITTER – WAS ZEIGEN ZOOS WIRKLICH?
PROJECT DIGITAL ZOO
Die Linie. Kein Überfluss. Keine Ablenkung. Leicht. Offen. Bewusst gesetzt. Die Linie fließt und verschwindet wieder.
Ein Moment, der bleibt, ohne festzuhalten. Du siehst das Tier. Du spürst seine Bewegung. Nichts ist schwer. Nichts ist laut.
Meine Arbeiten stehen für Achtsamkeit und Vergänglichkeit. Für Tiere. Für Natur. Für das Jetzt.













