DAS AXOLOTL

Der lächelnde Geist aus den Tiefen Xochimilcos

1/23/20262 min lesen

Axolotl – Der lächelnde Geist aus den Tiefen Xochimilcos

Wer das Axolotl sieht, verliebt sich meist sofort: Ein seltsam charmantes Wesen mit federartigen Kiemen, Knopfaugen und einem scheinbar permanenten Lächeln. Doch hinter diesem possierlichen Äußeren verbirgt sich ein Wesen, das älter ist als die Azteken, geheimnisvoll wie ein Mythos – und akut vom Aussterben bedroht.

Ein Gott im Körper eines Lurchs

Der Name "Axolotl" stammt aus dem Nahuatl, der Sprache der Azteken. Er setzt sich zusammen aus atl (Wasser) und xolotl – dem Namen eines Gottes, der in der aztekischen Mythologie als Begleiter der Toten und Gott der Zwillinge, des Feuers und der Transformation galt. Der Legende nach verwandelte sich Xolotl in einen Axolotl, um dem Tod zu entkommen. Ironisch, wenn man bedenkt, dass gerade der Tod – durch menschliche Eingriffe – dem Tier heute wieder auf den Fersen ist.

Ein Wunder der Biologie

Das Axolotl (Ambystoma mexicanum) ist einzigartig: Es bleibt zeitlebens im Larvenstadium – ein Phänomen namens Neotenie. Dabei behält es seine Kiemen, obwohl es ausgewachsen ist, und kann sich trotzdem fortpflanzen. Selbst verlorene Gliedmaßen regeneriert es vollständig. Kein Wunder also, dass es in der medizinischen Forschung großes Interesse weckt.

Ein verschwindendes Zuhause

In freier Wildbahn lebt das Axolotl ausschließlich im Seensystem rund um Mexiko-Stadt – insbesondere im Xochimilco-Kanalnetz, einem letzten Überrest des einst mächtigen Texcoco-Sees. Doch genau dort bedrohen Umweltverschmutzung, invasive Arten (wie der Tilapia), Wasserentnahme und Urbanisierung den Fortbestand des Tiers.

Die Population ist dramatisch eingebrochen: Während in den 90er Jahren noch etwa 1.500 Tiere pro Quadratkilometer gezählt wurden, waren es 2014 weniger als 0,5 (BBC, 2014). Laut einer Erhebung der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) gilt das Axolotl in freier Wildbahn als kritisch gefährdet (IUCN Red List, 2023).

Zwischen Mythos und Zukunft

Heute lebt das Axolotl vor allem in Laboren und Aquarien. In Gefangenschaft gedeiht es – aber was ist ein Gott ohne sein Reich? Zahlreiche Naturschutzprojekte in Mexiko versuchen, die Kanäle zu reinigen, künstliche Inseln (Chinampas) zu bauen und das Ökosystem zu revitalisieren. Doch es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Auch die Rückbesinnung auf die kulturelle Bedeutung des Axolotl spielt eine Rolle: Für viele indigene Gruppen ist es nicht nur ein Tier, sondern ein Symbol für Widerstand, Wandlung und Wiedergeburt.

Fazit

Das Axolotl ist mehr als ein kurioser Amphibienstar – es ist ein Mahnmal für die Zerbrechlichkeit von Ökosystemen und eine Erinnerung daran, dass die Grenzen zwischen Mythos und Realität oft fließend sind. Vielleicht ist gerade seine Verbindung zum Gott der Transformation ein Aufruf an uns: zur Umkehr, zum Schutz, zur Veränderung.

Quellen: