DEN BLICK IN DEN HIMMEL GERICHTET ... UND IN DIE TIEFE
WENN DER HIMMEL VERSTUMMT UND DIE MEERE VEREINSAMEN
Birte Brunner
7/5/20253 min lesen


Das Kreischen der Papageitaucher, die in dichten Schwärmen über die Klippen Islands und Schottlands jagen. Das leise Gurren einer Turteltaube, deren Bestand allein in Europa seit 1980 um mehr als 80 % eingebrochen ist1. Das grollende Balzen der Großtrappen, deren letzte deutschen Vorkommen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt nur mit massiven Schutzprogrammen überlebten2.
Eine aktuelle Studie im Fachjournal Nature warnt: Über 500 Vogelarten könnten innerhalb des nächsten Jahrhunderts aussterben, wenn wir nicht endlich konsequent handeln3.
Besonders betroffen sind Seevögel,wie zum Beispiel die Papageitaucher, deren Bestände unter Überfischung, Klimawandel und Plastikmüll leiden4.
Und während der Himmel verstummt, wird das Meer zu einer stummen Wüste.
Haie – vom eleganten Hammerhai bis zum majestätischen Weißspitzen-Hochseehai verschwinden in alarmierendem Tempo. Laut der IUCN Red List sind 37 % aller Hai- und Rochenarten akut bedroht5. Jedes Jahr werden schätzungsweise 100 Millionen Haie getötet – ein Großteil nur, um ihre Flossen abzutrennen, der Rest wird sterbend im Meer zurück gelassen.6.
Dabei sind Haie keine Monster, wie sie in Mythen und schlechten Filmen gerne dargestellt werden. Sie sind die Hüter der Ozeane. Ohne sie brechen funktionierende Netzwerke zusammen. In Westaustralien zeigen Studien bereits auf, dass der Verlust großer Haie dazu führt, dass mittlere Räuber in ihrer Population explodieren – mit dramatischen Folgen für Seegraswiesen und Korallenriffe7.
Ähnlich ist es bei den Vögeln. Sie sind nicht nur schöne Farbtupfer im Geäst. Sie bestäuben Blüten, verbreiten Samen und regulieren Insektenplagen.
Die State of the World’s Birds-Analyse von BirdLife International zeigt: 49 % aller Vogelarten weltweit nehmen im Bestand ab8.
Doch noch ist es nicht zu spät.
In Brandenburg hat die Stiftung Großtrappenschutz eines der erfolgreichsten Arterhaltungsprogramme Europas etabliert: Mithilfe von Zuchtstationen, Gelege-Schutz und gezieltem Lebensraum-Management stiegen die Bestände der Großtrappe von weniger als 60 auf über 300 Individuen2.
Für die Turteltaube laufen in Spanien, Frankreich und Italien Aktionspläne, um Jagdverbote durchzusetzen und Brutgebiete zu sichern9. In Island wurde 2024 ein Fangmoratorium für Papageitaucher beschlossen, um die Kolonien zu retten4.
Auch für Haie gibt es Hoffnung: Im April 2025 hat die UNESCO gemeinsam mit der Ocean Conservation Trust das erste globale Netzwerk sogenannter Shark Hope Zones vorgestellt – ein Schutzgebietssystem, das 1,5 Millionen Quadratkilometer Ozeanfläche umfasst10.
Aber diese Projekte brauchen mehr als gute Absichtserklärungen. Sie brauchen Unterstützung – jetzt. Aufmerksamkeit. Engagement. Spenden.
Vor allem brauchen sie ein Umdenken:
Wir müssen unsere Vorstellung von Fortschritt neu definieren.
Vielleicht ist es unbequem, sich das vorzustellen:
Ein stiller Himmel.
Ein leeres Meer.
Doch genau diese Vorstellung muss uns wachrütteln.
Wir alle tragen Verantwortung – als Konsumenten, als Wähler, als Menschen.
Wir alle haben die Macht, etwas zu ändern.
Für die Papageitaucher. Für die Turteltauben. Für die Großtrappen.
Für die Haie, die seit 400 Millionen Jahren die Meere durchstreifen11.
Für eine Welt, in der wir leben wollen.
BirdLife International. (2022). European Red List of Birds. https://www.birdlife.org ↩
Stiftung Großtrappenschutz e.V. Großtrappe in Deutschland. https://www.grosstrappenschutz.de ↩ ↩2
Rutschmann et al. (2025). Predicting avian extinction risk under future scenarios. Nature, 2025. ↩
BirdLife Europe. (2024). Puffin Conservation Measures. https://www.birdlife.org/europe-and-central-asia/ ↩ ↩2
IUCN Shark Specialist Group. (2021). Global Shark Assessment. https://www.iucnssg.org ↩
Worm, B. et al. (2013). Global catches, exploitation rates, and rebuilding options for sharks. Marine Policy, 40: 194–204. ↩
Heithaus, M. et al. (2008). Predicting ecological consequences of marine top predator declines. Trends in Ecology & Evolution, 23(4): 202–210. ↩
BirdLife International. (2018). State of the World’s Birds. https://datazone.birdlife.org ↩
European Turtle Dove Action Plan. (2018). International Species Action Plan. https://ec.europa.eu ↩
UNESCO. (2025). Global Shark Hope Zones Announced. https://www.unesco.org ↩
Fossil record of sharks. (2010). Sharks through time. Smithsonian Ocean Portal. ↩
Lasst uns nicht warten,
bis der letzte Ruf verhallt.
Lasst uns jetzt handeln.
Damit der Himmel nicht verstummt
und der Lebensraum "Meer" erhalten bleibt.
